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8.05.2026 Katholikentag endet mit Friedensappell
Alle zwei Jahre findet der deutsche Katholikentag statt. In diesem Jahr war der Veranstaltungsort die Domstadt Würzburg. Die Teilnehmerzahl wurde auf 74.000 Menschen geschätzt. Im Vorfeld des Events wurden 34.000 Tickets verkauft. „ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp bedankte sich bei allen Mitwirkenden, darunter rund 1.200 ehrenamtliche Helfer.“ Sie wies darauf hin, dass den Katholiken die Demokratie in ihrem Land sehr viel wert sei und sie bereit seien, sie zu verteidigen. Weiter heißt es; „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“. (01) Hat die Kirche die Kirche doch aktuell gut 18 Millionen Mitglieder, (02) während es im Jahr 1990 noch 28,3 Millionen waren. (03) Doch 70.000 Menschen machen 0,004 Prozent (ein Hunderttausendstel) der Gesamtzahl aller deutschen Katholiken aus. Bei 34.000 Menschen ist das die Hälfte! Also: Wurden die Erwartungen mit Zahl der Besucher wirklich „übertroffen“?
So weit, so toll! Auffällig war jedoch die geringe mediale Berichtserstattung über das größte deutsche Event der katholischen Kirche. In den Jahren zuvor war das gefühlt anders. Bemerkenswert hierzu am letzten Tag des Würzburger Treffens auch der Beitrag „Tatort“ im öffentlich rechtlichen Rundfunk (ÖRR) mit dem Titel „Schweigen“. Gesendet im ersten deutschen Fernsehen zur Primetime um 20:15 Uhr. Hierbei ging es um einen Pädophilen-Ring in der katholischen Kirche, der hinter Klostermauern sein Unwesen treibt. (04)
Man mag das Timing für einen Zufall halten oder nicht. Doch man sollte auch wissen, dass politische Parteien in den Rundfunkräten vertreten sind und ein erhebliches Mitspracherecht bei der Gestaltung nicht nur der Programme haben. Und dass der Einfluss der Parteien hierbei ausgesprochen hoch ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. (05) Nicht unbemerkt bleibt die feindliche Einstellungen der Parteien wie die der GRÜNEN, der SPD oder der LINKEN gegenüber den christlichen Kirchen, während die neulinke CDU/CSU noch immer auf ihr konservatives Wählerpotenzial der Katholiken setzt.
Würzburg liegt in Bayern. Die CSU dominiert mit einem Stimmenanteil von 37 Prozent die Landespolitik. (06) Wie so oft bei solchen Events wurde die Kirche als milliardenschweres Unternehmen nun auch in Würzburg staatlich unterstützt. „Dort wird das Glaubens-Spektakel diesmal mit mindestens 4,44 Millionen Euro von der öffentlichen Hand gefördert. Das Land Bayern gibt drei Millionen Euro, der Bund anstatt wie traditionell 500.000 Euro erstmals 940.000 Euro und die mit über 815 Millionen Euro hoch verschuldete Stadt Würzburg steuert 500.000 Euro inklusive Sachleistungen bei“. (07) Bei so viel spendablen Gebaren bleibt womöglich die Dankbarkeit nicht aus.
Doch warum kritisiert nun gerade die CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CSU) die Kirchen für eine „zu politische Haltung”? Ihrer Meinung nach müsste die katholische Kirche doch Halt geben, da sie doch keine staatlich alimentierte Nichtregierungsorganisation (NGO) sei. Sie rief dazu auf, „(…) sich stärker auf die Vermittlung des Glaubens und existenzielle gesellschaftliche Fragen zu konzentrieren“. (08) Klöckner reagierte damit möglicherweise auf die umschweifenden Worte beim politischen Friedensappell des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Münsteraner Bischofs Heiner Wilmer: „Wir stehen hier in Würzburg. Sicher. (…) Aber die Welt brennt – und wir sind Teil dieser Welt. Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen“. Des Weiteren verwies er auf die Situation im Bürgerkriegsland Sudan. Dort vollziehe sich die derzeit „größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit“, sagte Wilmer und verschwieg hierbei offenbar die Grausamkeiten im Nahen Osten. Weiter wies er darauf hin, dass die „Welt brenne, sei aber nicht verloren. Leo XIV. hatte durch Friedensaufrufe vor dem Hintergrund des Irankriegs den Ärger von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen“.
Ja richtig: Diese Aussage klingt nach viel Politik und weniger nach christlicher Orientierung. So wie die Regenbogenflaggen vor katholischen Pfarrämtern den kritisch Distanzierten nun als Aushängeschild der kirchlichen Irrwege gilt, so wenig christlich ist auch der „Friedensaufruf“ Wilmers. Schon gar nicht war dieser Aufruf real, denn er verwies im Zusammenhang seiner Aussage auf Papst Leo XIV., den er als „unerschrockenen Anwalt des Friedens“ bezeichnet. (09) Hält sich Wilmer möglicherweise diplomatisch zurück, um nicht der Aufrüstungspolitik von CDU/CSU und SPD zu widersprechen? Wen genau repräsentiert Wilmer eigentlich?
Wie sehr die christlichen Kirchen inzwischen den politischen Aufrüstungswahn mittragen, haben diese religiösen Institutionen bereits verlautbaren lassen. Es fing an mit dem Begriff Frieden, umgedeutet mit Hilfe von Attributen. Galt der Begriff „Frieden” im Sinne der Bibel steht als feste Größe, die keiner weiteren Erklärung bedurfte, so wird nun plötzlich zwischen „gerechtem Frieden“ und „ungerechtem Frieden“ unterschieden, wobei letztere Phrasen rein politischer Natur sind. Nun aber sind sie zum christlichen Symbol mutiert! Genauso wie die Regenbogenflagge auch! Nach dem „gerechten Frieden“ folgt der „gerechte Krieg“ mit theologischen Verbiegungen, über die man sich große Sorge machen sollte: Kirche nicht als Gehilfe des Friedens, sondern als Gehilfe der Militarisierung und eines möglichen Krieges. Mit viel Latein und wenig Friedenswillen. Mit der Retrospektive in Richtung Augustinus’, dem angeblichen Vordenker des „gerechten Krieges“. (10)
Und da Krieg nicht ohne Militarisierung funktioniert, sprachen sich die Bischöfe schon zuvor für die militärische Verteidigungsbereitschaft aus. (11) Doch das wiederum forderte die mittlerweile aufgewachten Gläubigen heraus, die offenbar heftig intervenierten. Somit nahm die Austrittswelle aus der christlichen Kirche noch einmal richtig Fahrt auf. Der kirchliche Original-Link zum Bekenntnis der Bischöfe wurde daraufhin gesperrt. Soviel „Ehrlichkeit“ musste schließlich sein.
In Zeiten von Krisen und Kriegen wie auch wachsender Unsicherheit kann Kirche Orientierung geben. Bei ihr sollte es um das Thema Hoffnung, um das Menschsein und das Zusammenleben nicht nur in einer Gesellschaft gehen. Kirche sollte verbinden, nicht spalten. Die kirchlichen Botschaften sollten wieder über den Alltag hinausweisen, den christlichen Frieden einfordern und die Versöhnung – und nicht Bewaffnung – zum Thema machen. Besonders im Studel des wirtschaftlichen Abschwungs, der sinkenden Kaufkraft sowie der wachsenden Kriegsgefahr braucht die traumatisierte Gesellschaft dringend Beistand in Form einer Kirche für die Menschen und nicht eine für die Politik. Doch die Menschen, die bisher eine Kirche nach christlichem Vorbild suchten, fühlen sich zunehmend enttäuscht und geben ihre Suche schließlich auf. Wann endlich erlangen die neoliberalen und kriegerischen Kirchenfürsten die demütige Einsicht darüber?
Am Ende heißt es: „Der nächste Katholikentag findet vom 24. bis 28. Mai 2028 in Paderborn statt“. Dort wurde am 10. März 2024 ein neuer Bischof eingeführt. Weiter heißt es: „Mit großer Freude begrüßen wir Dr. Bentz, der von Papst Franziskus zum 67. Bischof und fünften Erzbischof von Paderborn ernannt wurde. (12) Im Paderborner Raum gilt Benz als lang ersehnter Verfechter des Synodalen Weges. Es sagte: „Habe vom Synodalen Weg grundsätzlich Hoffnung aufgenommen“. (13) Dafür aber hat er bereits viel Prügel von konservativen Kritikern einstecken müssen. Also für zu viel Weltlichkeit und zu wenig Geistlichkeit. Eine Absage des Vatikans – und damit der Weltkirche - an den Synodalen Weg ist bereits erfolgt. (14)
Dass der zukünftige Kirchentag in Paderborn dann dieselbe politische Ausrichtung erfährt wie der in Würzburg, wünscht sich neben Julia Klöckner die Mehrheit der Noch-Gläubigen nicht. Letzteren liegt der Wunsch nahe, dass bis dahin endlich Einsicht einkehrt.
(01) https://www.mainwelle.de/etwa-74-000-menschen-beim-katholikentag-in-wuerzburg-2201115/
(02) https://katholisch.de/artikel/60462-katholische-kirche-in-deutschland-verliert-mehr-als-320000-mitglieder
(03) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1226/umfrage/anzahl-der-katholiken-in-deutschland-seit-1965/#google_vignette
(04) https://de.wikipedia.org/wiki/Tatort:_Schweigen
(05) https://www.zeit.de/kultur/2025-02/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-studie-politik-einfluss
(06) https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Bayern_2023
(07) https://www.pressenza.com/de/2026/05/glaubens-event-auf-staatskosten/
(08) https://katholisch.de/artikel/68606-kloeckner-kirche-muss-halt-geben-und-ist-keine-weitere-ngo
(09) MT, Agence France-Presse (AFP), Katholikentag endet mit Friedensappell, 18.05.2026.
(10) https://globalbridge.ch/viel-latein-und-wenig-frieden-die-wiederkehr-von-augustinus-gerechtem-krieg/
(11) https://www.katholisch.de/artikel/64987-bischoefe-deutschland-muss-verteidigungsbereit-werden
(12) https://www.erzbistum-paderborn.de/erzbistum-und-erzbischof/personen-gremien/personen/erzbischof-dr-udo-markus-bentz/der-neue-erzbischof-von-paderborn-willkommen-dr-udo-markus-bentz/
(13) Der neue Erzbischof von Paderborn: Dr. Udo Markus Bentz
(14) https://www.domradio.de/video/synodaler-weg-vatikan-wehrt-synodalen-rat-ab
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25.04.2025
Kreis entlastet CDU und FDP in Friesoythe
„Bei der Abrechnung von Sitzungsgeldern in Friesoythe sieht die Kommunalaufsicht des Landkreises Cloppenburg keine Rechtsverstöße der CDU/FDP-Fraktion“, heißt es heute in der Münsterländischen Tageszeitung. (01) Damit regiert die Kommunalaufsicht auf den Vorwurf nicht genannter Mitglieder des Friesoyther Stadtrates, dass es mindestens seit 2011 gängige Praxis gewesen sei, „bis zu drei Sitzungen je tatsächlich stattgefundener Sitzung abzurechnen. So sollen die einzelnen Mitglieder der Fraktion für einmaliges Erscheinen 150 Euro statt 50 Euro erhalten haben“.
Somit wären also drei Sitzungen abgerechnet worden, obwohl es in der Friesoyther „Entschädigungssatzung für Ratsmitglieder und Ehrenamtliche” heißt: „Bei mehreren Sitzungen an einem Tag dürfen nicht mehr als zwei Sitzungsgelder gewährt werden.“ Zu Anfang heißt es in der Satzung allerdings: „Wird die Sitzungsdauer von sechs Stunden überschritten, wird ein weiteres Sitzungsgeld gewährt“. Man muss sich fragen, wie viele Stunden der Tag in Friesoythe eigentlich hat, um so lange im Rathaus zu sitzen. Andernfalls müsste eine der zwei Sitzungen nur mehr oder weniger als 5 Minuten – also mit einem Stundenlohn in Höhe von ca. 600 Euro - gedauert haben und die andere mehr als 6 Stunden. Die übrigen Fraktionen jedenfalls hätten laut eigener Aussage jeweils nur eine Sitzung abgerechnet.
Die Vorwürfe stritt der Friesoyther Fraktionsvorsitzende und CDU-Landtagsabgeordnete Lukas Reinken stets vehement ab. (02) Er sehe vielmehr eine „gezielte und bewusste parteipolitische Kampagne“ im Vorfeld der Kommunalwahlen. „So sei das Thema durch einen freien Journalisten aufgekommen, der beim Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) als Sprecher im Kreisverband Oldenburg (03) tätig ist. Und auch die Anzeige habe ein Anwalt aus Oldenburg gestellt, der dort für das BSW im Stadtrat sitzt“. Reinkens taktische Botschaft lautet somit: Haltet die Diebe, die dem BSW –Bündnis Sarah Wagenknecht – nahestehen. Die Nennung konkreter Namen vermeidet der vorliegende Presseartikel im Friesoyther Lokalteil.
Die Entlohnung von Ehrenämtern ist allgemein nicht üblich. Dennoch gibt es Ausnahmen. Eine davon ist in der Politik angesiedelt. Die „Kommission für kommunale Aufwandsentschädigungen“ (04) legt im Auftrag der Niedersächsischen Landesregierung Empfehlungen vor, dass Kommunalpolitikern, die in ihrer Funktion ein Ehrenamt bekleiden, eine angemessene Aufwandspauschale zustehen soll. Die Zahlungen werden durch §55 Abs. 1 (05) i.V.m. §44 Abs. NKomVG geregelt (06).
Über die maximale Höhe die Pauschale wird vor Ende jeder Wahlperiode ein Vorschlag unterbreitet, über den die einzelnen Kommunen entscheiden müssen. „Die Empfehlungen geben den Kommunen Hinweise zu einzelnen Bestandteilen der Entschädigung (z. B. Sitzungsgeld, Fahrkosten, Verdienstausfall). Hinsichtlich der Höhe der pauschalen Aufwandsentschädigung empfiehlt die Kommission Höchstbeträge, die nach Einwohnerzahlen der Gemeinden und Landkreise gestaffelt sind“. (07) Auf der Onlineplattform der Stadt Friesoythe sind die Zahlungen in der „Entschädigungssatzung für Ratsmitglieder und Ehrenamtliche” unter dem Stichwort „Ortsrecht“ zu finden. (08)
Diese Entschädigung erfordert keine weiteren Nachweise, da es sich um eine Pauschale handelt. Die Pauschale unterscheidet zwischen kommunalpolitischen Funktionen von Ratsmitgliedern, wie etwa dem Fraktionsvorsitzenden, Ausschussvorsitzen oder ehrenamtlichen Bürgermeister. Je nach Funktion können pro Jahr außerordentlich hohe Nebeneinkünfte – ohne Nachweispflicht des tatsächlichen Aufwands - zusammenkommen. Der Eindruck der Selbstbedienermentalität lässt sich in manchen Fällen nicht verbergen. (09) Kein Wunder, dass die üppigen Zahlungen an ehrenamtliche Kommunalpolitiker viel öffentliche Kritik hervorrufen. (10) Doch dieser Sachverhalt wird von der Presse eher stiefmütterlich behandelt. Denn unter all diesen Umständen bekleiden Kommunalpolitiker ein Ehrenamt der ersten Klasse, die überwiegende Mehrheit der Unbezahlten eines der zweiten Klasse. (11)
Wenn es um Vorwürfe geht, die eine mögliche Verletzung des kommunalen Verwaltungsrechts angehen, so ist die Kommunalaufsicht des betreffenden Landkreises zuständig. Sie entscheidet über den Streitfall. „Die Landkreise sind als Kommunalaufsichtsbehörden unmittelbar für ihre übrigen kreisangehörigen Gemeinden und ihre Samtgemeinden bzw. die Region Hannover für ihre übrigen regionsangehörigen Gemeinden als Kommunalaufsicht zuständig“, heißt es im Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG). (12) Somit hat auch der Landkreis Cloppenburg eine Kommunalaufsicht. Und die ist im hierarchisch strukturierten Verwaltungsbereich weisungsgebunden. Oberster Chef ist der Landrat Johann Wimberg (13) von der CDU. Und wenn es heißt, „Kreis entlastet CDU und FDP in Friesoythe Abrechnungen von Sitzungsgeldern“, so steht ein gewisses Geschmäckle im Raum. Das nach dem Motto: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“.
Somit könne aus Reinkens Sicht das aktuelle Kapitel geschlossen werden, kommentiert der aktuelle Artikel des heutigen Tages. Wozu eigentlich hat - laut Bericht des „Freien Journalisten“ - die „erste Stadträtin Heidrun Hamjediers (14) (…) die Fraktionen des Rates Anfang 2025 offiziell über die Unregelmäßigkeiten bei den CDU-Abrechnungen informiert“? Warum verschweigt der Bericht der Münsterländischen Tageszeitung genau diesen Hinweis? Mit der möglichen Stellungnahme Hamediers wäre die Entscheidung der Kommunalaufsicht zumindest für die Leser des Artikels im faden Licht des Zweifels angesiedelt.
Am Ende dürfte die Eile, mit der die Kommunalaufsicht des Landkreises den Streitfall entschieden hat, nicht unbedingt merkwürdig erscheinen. Wenn man bedenkt, dass Reinken bei einer gegenteiligen Entscheidung seinen Job sowohl als Vorsitzender der CDU-FDP-Fraktion als auch den des Landtagsabgeordneten möglicherweise an den Nagel hängen müsste, dann wäre das ein Supergau nicht nur für ihn, sondern auch für die gesamte Kreis-CDU. Ein zweiter Fall „Hüttemeyer” stünde dieser CDU nicht gut zu Gesicht. (15)
„Offen ist noch, zu welchem Ergebnis die Staatsanwaltschaft Oldenburg (16) kommt. Die Behörde hat aufgrund einer Strafanzeige Vorermittlungen aufgenommen“. Warum also wartet der Landkreis nicht die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab? Warum wird eine politische Entscheidung einer juristischen Bewertung vorgezogen? Wiederum steht ein gewisses Geschmäckle im Raum. Es stellt sich zusätzlich die Frage: „Wer verfolgt welche Interessen? Was wäre, wenn die Staatsanwaltschaft in Folge nun doch eine Klage anstreben würde? Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Auch in diesem Fall könnte Reinken seine Ämter an den Nagel hängen. Möglicherweise vorerst! Bis zum Urteil des zuständigen Verwaltungsgerichts. Und dann?
Was dem Leser des heutigen Artikels verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass auch die Staatsanwaltschaft weisungsgebunden ist. Im Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) § 146 heißt es: „Die Beamten des Staatsanwaltschaft haben die dienstlichen Anweisungen ihres Vorgesetzten nachzukommen“. (17) Und man muss nicht lange raten, welcher Partei dieser Dienstvorgesetzte in Niedersachsen angehört. Seit 2022 hat Kathrin Wahlmann von der SPD dieses Amt inne. Sie bekleidet das Amt der Justizministerin. (18) Weiter schreibt die Münsterländische Tageszeitung: Auch der Landtagspräsidentin sei das Verfahren mitgeteilt worden. Bei Vorermittlungen prüfen Strafverfolgungsbehörden, ob sich ein hinreichender Anfangsverdacht für ein förmliches Ermittlungsverfahren ergibt – oder nicht“. Die Landtagspräsidentin heißt Anna Naber (19) von der SPD. (20)
Weisungsgebundenheit hin oder her: Welche politischen Absprachen letztendlich auch immer erfolgt sind, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Was nur bleibt, sind Mutmaßungen. Die aber sind der systemischen Konstruktion der Weisungsgebundenheit geschuldet. Vertrauen sieht anders aus.
Derweil sind zum Thema „Parteienstaat“ viele Bücher veröffentlicht. Die Kritik am bestehenden System der stetig wachsenden Einflussnahme der Parteien und der hochumstrittenen Finanzmittelzuweisungen an Dieselbigen ohne grundgesetzliches Fundament könnte nicht deutlicher ausfallen. (21) Noch Fragen?
In einer Gesamtbetrachtung des vorliegenden Streitfalles ist also folgendes festzuhalten: Der CDU-Fraktion des Friesoyther Stadtrates wird vorgeworfen, zum eigenen Vorteil Sitzungsgelder nicht vorschriftsmäßig abgerechnet zu haben. Eine dem CDU-Landrat weisungsgebundene Kommunalaufsicht entscheidet zugunsten der Friesoyther CDU, während die derzeit SPD-weisungsgebundene Staatsanwaltschaft noch weiter ermittelt. Wenn das für die Cloppenburger Kommunalaufsicht alles so schnell klar ist, was den Streitfall betrifft, warum ist das der Staatsanwaltschaft alles noch so unklar, wo sich doch die Friesoyther „Entschädigungssatzung für Ratsmitglieder und Ehrenamtliche” sehr deutlich ausdrückt?
Handelt es im Konkreten Fall um ein Beispiel für politischen Einfluss auf entscheidungsbefugte Institutionen wie Kommunalaufsicht und Staatsanwaltschaft? Letztendlich auch um das „Weisungsrecht” als Einfallstor für den Einfluss politischen Parteien auf deutsche Staatsanwaltschaften“? Also um eine politische Kampagne auf höherer Ebene? Nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) sind Staatsanwaltschaften trotz verfassungsgemäßer Gewaltenteilung in Deutschland nicht unabhängig. Eine Änderung dieser systemischen Konstruktion wurde bereits eingefordert. (22) Ergebnis: Bis heute ist nichts passiert!
Warum thematisiert der Artikel des Friesoyther Lokalteils all die vermuteten Zusammenhänge nicht? Warum sollen die Leser nichts darüber erfahren, wo doch in vielen anderen Fällen vorschnell Meinungs-Urteile gefällt werden? Wäre es vielmehr ergiebiger, sich woanders zu informieren? Das aber sollte selbstverständlich jedem selbst überlassen bleiben, bevor ihn die „kognitive Dissonanz“ zerfrisst. Genau diese würde den Geist vieler vertrauensseliger Menschen zerstören, wenn die bisher verschwiegenen Informationen plötzlich auf diese einprasseln, wobei der Glücksatlas 2026 (23) total aus den Fugen geraten würde.
(01) https://www.om-online.de/politik/fall-angeblich-zu-hoher-abrechnung-von-sitzungsgeldern-in-friesoythe-kommunalaufsicht-entlastet-cdu-fdp-fraktion-910159 und: MT, Kreis entlastet CDU und FDP in Friesoythe, 25.04.2026 und: MT, Landkreis: Kein Rechtsverstoß, Abrechnung von zweitem Sitzungsgeld der CDU/FDP-Fraktion in Friesoythe war zulässig, 25.04.2026.
(02) https://www.lukasreinken.de
(03) https://ni.bsw-vg.de/bsw-startet-im-oldenburger-land-durch/
(04) https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/kommission-fur-kommunale-aufwandsentschadigungen-legt-empfehlungen-vor-248480.html
(05) https://voris.wolterskluwer-online.de/browse/document/dc350fbf-86af-37f8-ad93-ed369a301c33
(06) https://voris.wolterskluwer-online.de/browse/document/cf54e699-37b4-3a50-9977-3b92df4d30e5
(07) https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/themen/kommunen/entschadigungskommission/kommission-fur-kommunale-aufwandsentschadigungen-legt-empfehlungen-vor-98885.html
(08) https://www.friesoythe.de/portal/dokumenteplus-907000156-23250.html?ordner=1&containerSort=2&schwelle_zuklappen=0&naviID=907000575&brotID=907000575
(09) https://www.nwzonline.de/politik/ganderkesee-gemeinderat-politik-wuenscht-kraeftigen-schluck-aus-der-pulle_a_1,0,725630001.html#
(10) https://www.kn-online.de/lokales/ploen/politiker-aus-dem-amt-probstei-kritisieren-erhoehung-der-ehrenamtspauschale-GLV72BBAIVCYDIM44V25JQKDYA.html
(11) https://hermannbergmann.de/html/anpassung.html
(12) https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/themen/kommunen/kommunalaufsicht/kommunalaufsicht-63117.html
(13) https://www.nwzonline.de/politik/ganderkesee-gemeinderat-politik-wuenscht-kraeftigen-schluck-aus-der-pulle_a_1,0,725630001.html#
(14) https://www.friesoythe.de/buergerservice/personen/erste-stadtraetin-heidrun-hamjediers-907000246-23250.html
(15) https://www.om-online.de/politik/huettemeyers-rueckzug-zwingt-cdu-zum-neuanfang-172236
(16) https://staatsanwaltschaft-oldenburg.niedersachsen.de/startseite/
(17) https://www.gesetze-im-internet.de/gvg/__146.html
(18) https://www.mj.niedersachsen.de/startseite/ministerium/die_ministerin/dr-kathrin-wahlmann-10311.html
(19) https://www.landtag-niedersachsen.de/landtagspraesidentin/
(20) https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/staatsanwaelte-nicht-unabhaengig-weisungsrecht-justizminister-100.html
(21) https://dopus.uni-speyer.de/frontdoor/deliver/index/docId/835/file/Parteienstaat.pdf
(22) https://www.lto.de/recht/justiz/j/unabhaengigkeit-staatsanwaltschaft-europaeischer-haftbefehl-einschraenkung-weisungsrecht-justizministerium
(23) https://www.skl-gluecksatlas.de/artikel/staedteranking-2025.html
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04.04.2026
Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising
Neuanfang wagen!
Ostern ist das Fest der Auferstehung. So zumindest deuten es die christlichen Kirchen weltweit. Der „Glaube“ hilft vielen verbitterten Menschen, an bessere Zeiten zu „glauben“. Der Respekt gebietet es, den „Glauben“ dieser Menschen nicht in Zweifel zu ziehen. Schließlich bleibt die alles erklärende „Weltformel“, (01) nach der nicht nur die Wissenschaft auf allen Ebenen so intensiv forscht, nicht nur den christlich orientierten Menschen immer noch verborgen.
Die christlichen Kirchen in Deutschland sind in Misskredit geraten. Nicht nur durch die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle, die aufgrund des Konkordats (02) in die Zuständigkeit der kirchlichen Rechtsprechung fallen. Andernfalls hätten bereits mehrfach die Handschellen geklickt. Der Misskredit begründet sich vielmehr in der Art und Weise, wie sich Kirche Tag für Tag als „seelsorgerische Institution“ verkauft. Diese liegt im Sterben. Zumindest insofern, als dass ihre Mitglieder in Scharen austreten, die Kirchen dadurch nicht nur leer bleiben, sondern auch massenweise dicht gemacht werden. Das aber aus ausschließlich wirtschaftlichen Gründen, wie die eigenständigen Finanzverwaltungen der Kirchen im deutschsprachigen Raum immer wieder betonen. (03)
In vielen Bereichen und gesellschaftlichen Schichten hat die Kirche ihr seelsorgerisches Label vollkommen verloren. eine einvernehmliche Kommunikation zwischen ihr und den Menschen will einfach nicht mehr klappen. Mit anderen Worten. Die christlichen Kirchen in Deutschland sind so gut wie tot und hoffen auf die Auferstehung ihrer selbst. Der Durchschnittsgläubige versteht ihre Worte und Formulierungen einfach nicht mehr. Deshalb müssen ihre Kirchenfürsten selbst an bessere Zeiten „glauben“. Zumindest wird nun auch Ostern 2026 zum Fest ihrer speziellen Hoffnung. Nämlich: „Ostern als Fest der eigenen Auferstehung“, wobei diese aber noch in weiter Ferne zu sein scheint. Diese frohe Botschaft vermittelt der für das Oldenburger Münsterland – Offizialat Vechta - zuständige Weihbischof Wilfried Theising (04) soeben zwischen den Zeilen. Eine Art Wunschdenken. Geschickt verklärt und für viele Menschen und ohne konkreten Bezug zur Realität. Wie aus einer anderen Welt eben.
Verpackt als unverbindliche Meta-Botschaft, die einen Reformwillen erst gar nicht erst erkennen lässt. In einer Sprache, die ein Appell an den verklärten Glauben ist, der volkstümlich stets als Hoffnung auf bessere Zeiten verstanden wird, auf die man aber nur warten kann. Das ist die verklausulierte Botschaft zu Ostern. Vor allem in Richtung der Synodalen. (05)
Eine Absage an die, die die „veraltete“ Lehre der Weltkirche nicht mögen. Einer Oster-Botschaft, an die sich auch der neue Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz und Bischof von Münster, Heiner Wilmer, (06) sofort anschließen würde. In Form einer ebenfalls verklausulierten Sprache, die – wie ein Halluzigen - alles und nichts Reales verspricht. Denn auch wird kein Retter der Synodalen sein. Vermittlung ja, Unterstützung nein!
Die Meta-Botschaft aller Kirchenmänner zusammen könnte in der konkretisierten Fassung somit heißen: „Gegen Gottes Willen, des allmächtigen und allwissenden, wird es niemals einen Neuanfang geben“! In Psalm 23,4 lautet das für die ständig Betreuten so: „Du Herr, bist ja bei mir; du schützt mich und führst mich, das macht mir Mut“. (07)
Theisings aktuelles Weltbild der Sünde stellt sich in der heutigen Ausgabe der Münsterländischen Tageszeitung wie folgt dar: „Die Konflikte im Nahen Osten wollen nicht enden, die Ukraine ringt um ihre Zukunft“. Theisings weltpolitische Analyse erweist sich als sehr eng gefasst und merkwürdig verschwommen. Eine Analyse, die sich auf das minimalistische Informationsprinzip beruft. Nichts exemplarisch konkretes, wie Namen, Fakten, Ursachenforschung, Auswirkungen oder völkerrechtliche Einordnung. Nein! Wenn es sich also um eine Botschaft an die „Gläubigen“ handelt, soll es keinesfalls darum gehen, die für Missstände Verantwortlichen mit Klarnamen zu benennen. Die maßgeblich Verantwortlichen werden an einer ganz anderen Stelle angeklagt. Offensichtlich soll genau das den Gläubigen verborgen bleiben. Hierzu später mehr!
Während die Ursachen sprachlich nebulös verfasst sind, heißt es zu den Folgewirkungen: „Viele Menschen spüren eine tiefe Verunsicherung. Nicht nur wegen der großen Weltpolitik, sondern auch in ihrem Alltag: Wird mein Arbeitsplatz sicher bleiben? Werde ich ausreichend Rente bekommen? Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen?“ (08)
Naja: Wenigstens sind zwei der Alltagssorgen konkret genannt: Die eine ist die um den Arbeitsplatz und die andere um die ausreichende Rente. Mehr nicht! Es sind zwar viele Menschen, die sich sorgen, aber nicht alle. Vorzugweise nicht diejenigen, die der Kirche in führenden Positionen vorangestellt sind und vom Staat bezahlt werden, wie gehobene Beamte mit A-Besoldung oder Oberbürgermeister von Großstädten mit B-Besoldung. (09) Und das auf Kosten der Steuerzahler selbst. Letztere sind mehrheitlich die, die eine tiefe Verunsicherung erfahren, die um Arbeitsplatz und Rente fürchten müssen. Denn die müssen nicht unerhebliche Summen an die Kirche selbst zahlen. Auf diese Unterstützung können sich die christlichen Kirchen auf jeden Fall verlassen. Zu den eher Einkommensschwachen gehören eben die „vielen Menschen“, zu denen der Kirchenmann Theising wohl kaum gehört, die er aber vorzugsweise als sorgenvolle Menschen auszeichnet. Wie eine konkrete Hilfe für diese aussehen könnte, teilt Theising den Lesern seiner Osterbotschaft allerdings nicht mit.
Nicht nur das: Die christlichen Kirchen sind unternehmerisch eingebunden in die „Freie Marktwirtschaft“. Eingebunden mit religiösem Etikett, in deren Rahmen Gesetze gelten, die Finanzstärke belohnt und deren Schwächen oft hart bestraft. (10) Dass es in diesem System viele Verlierer und nur wenige Gewinner gibt, ist nichts Neues. (11) Aber stets im christlichen Gewand aufzutreten, untergräbt das Vertrauen vieler gut informierter Bürger. Die üppigen Steuereinnahmen mit Hilfe des Staates (12) und die zusätzlichen Zuschüsse (13) im Millionenbereich sprechen nicht gerade für den vorwiegend christlichen Charakter der Kirchen. Wenn es um wirtschaftlich knallharte Interessen geht, kann auch mal Luzifer mit Gottes Stimme sprechen. Zwar sind die christlichen Kirchen in den Bereichen Soziales (Caritas), Bildung (Schulen, Universitäten, Fortbildungsstätten) und Gesundheit (Krankenhäuser, Reha-und Erholungs-Einrichtungen) erfolgreich engagiert, also in Bereichen, von denen die Gesellschaft sehr wohl profitiert, aber sie verlieren in diesen Bereichen niemals den marktwirtschaftlichen Profit aus den Augen, der mit exorbitanten Gewinnsteigerungen verbunden ist. U.a. durch üppige staatliche Zuschussgelder. Kurz: Zu verschenken haben die Kirchen hier nichts. Eher das Gegenteil: Alles läuft – und das ist das Markenzeichen des Kapitalismus – auf maximale Gewinnmaximierung hinaus. Und das vorwiegend steuerbefreit oder zumindest steuerbegünstigt! (14)
Darüber hinaus sind die Kirchen – im streng marktwirtschaftlichen Sinne – tätig in vielen anderen Geschäftsbereichen, die lauten: Vermietung von Wohnungsanlagen, Verpachtungen von Gewerbeflächen (u.a. im Rotlichtmilieu), Bankenwesen, Kapitalanlagen oder Investor-Tätigkeiten (u.a. im Bereich der Autoindustrie, z.B. Ferrari) und im Rüstungsbereich usw. (15) Erwähnenswert ist zudem das exorbitante Vermögen (Geld, Gold , Ländereien) der Kirchen im Milliardenbereich. (16) Nicht zuletzt auch durch den nicht steuerlich eingeschränkten Profit aus Erbschaften von erheblichen Ausmaßen.
In diesem Zusammenhang wirkt es nahezu grotesk, dass für den touristischen Besuch im Kölner Dom nun über einen Eintrittspreis debattiert wird. (17) Von wegen also: „Verkaufe alles was Du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben“. (18) Es ist alles so verrückt, dass einem der gute Glaube daran fehlen sollte.
Aber außerhalb des religiösen Etiketts geht es noch eine weitere unternehmerische Einlassung der Kirchen. Das ist die bereits erwähnte im Rüstungsbereich, dessen Gewinne inzwischen durch die Decke gehen. Kein Wunder also, dass „viele Menschen (…) eine tiefe Verunsicherung [spüren]“. Spätestens jetzt sollte ein jeder verstanden haben, warum sich die christlichen Kirchen mit der aktuellen Politik solidarisch zeigen. Bekannt als „historische Allianz“ mit den Mächtigen. Das im Übrigen zu allen Zeiten. Verschwiegen die dunkle Seite der kirchlichen Vorbilder, die man keinesfalls verharmlosen sollte. (19) Vor allem die zu Zeiten des Nationalsozialismus. „Die Kirche (…) leistete keinen Widerstand“. (20)
Und heute? Dasselbe! Mit hanebüchenden Verrenkungen der kirchlichen Lehren. Als Anklage gegen einen bekannten, aber unbenannten Feind. Mit Erklärungen wie z.B. die der Konferenz der katholischen Bischöfe am 10. März 2022, zu der Theising auch gehört: „Wir betrachten Rüstungslieferungen in die Ukraine (…) als grundsätzlich legitim.“ Die grundlegende Parole dazu heißt: "Der Stärke des Rechts dienen" (21)Inhaltlich mit dem ständigen Hinweis auf Frieden! Von dem eigenen Profit somit keine Rede.
Die evangelische Kirche setzt mit ihrem Positionspapier „Grünes Licht für Kriegstüchtigkeit“ noch einen oben drauf. Mit pedantischer Korrektur des Friedensbegriffs zum „gerechten Frieden“, durch den sich diese Kirche vom christlichen Pazifismus nun endgültig distanziert. Etikettiert mit frommen Worten und theologischer Raffinessen on mass. Positioniert als Steigbügelhalter des vorherrschenden Konfrontations- und Aufrüstungspolitik. Auf 150 Seiten, die den Namen „Jesus Christus nur siebenmal nennen. (22) Sich dann aber darüber beschweren, dass der Begriff Jesus nur fünfmal im curricularen Entwurf des grün geführten Kultusministeriums von Niedersachsen behandelt wird, zeugt von einem zusammenhanglosen Durcheinander eines kirchlichen Weltbildes, (23) dem die verantwortlichen Kirchenjünger in substanzloser Manier verfallen sind.
Nicht zu vergessen bleibt, dass der vor nicht allzu langer Zeit verstorbene Papst Franziskus im Sinne der christlichen Lehre Aufrüstung und Waffenlieferungen lange Zeit hatte verurteilt hat. Genau das sollte der grundlegende Maßstab der christlichen Kirchen überhaupt sein. Franziskus nannte die Waffenschmieden eine „Industrie des Todes“ und machte sie für viele Kriege verantwortlich. Eine Kritik, die den christlichen Kirchen besser stünde! Zuletzt erntet Franzikus heftige Kritik, als er den „Mut für Friedensverhandlungen mit Russland“ einforderte. (24)
Vielleicht aber sollte man Theisings Osterbotschaft nicht ganz so kritisch betrachten. Denn auch ist ein „Kind seiner Zeit“. In seiner jetzigen Position hat er eine konforme – aber fragwürdige - Rolle zu wahren. Nämliche die Institution Kirche ausschließlich im Gewand eines Geistlichen und keines in dem eines Unternehmers, Bankmanagers oder Waffenlieferants, nach außen zu vertreten.
Doch tief im Inneren seiner Botschaft scheint eine Erkenntnis verborgen zu sein, die der Leser leicht übersehen kann: Theising spricht von „Realität“, die er zwar nur exemplarisch kraftlos darstellt, vor der man aber – wie er sagt - mit Gottes Hilfe nicht flüchten sollte. Vor einer Realität, die permanente Widersprüche offenbart. Gestärkt durch Kraft, die „Gott uns schenken will“. Ein Geschenk, auf das möglicherweise auch Theising selbst zu warten scheint. Ein Hilferuf?
Weiter heißt es mutmaßlich auch an sich gerichtet: „Öffnen wir die verschlossenen Türen unserer Ängste, (…) Friede sei mit euch. Fürchtet euch nicht. Die Welt mag wanken, aber der Grund, auf dem wir stehen, trägt“.
Wahrlich weise Worte, deren Umsetzung aber noch aussteht. Warum also noch warten, wo doch der Glaube einen festen Grund bietet, der Realität endlich ins Auge zu schauen, mit der Kraft, die „Gott uns schenken will“. Jeder, der bei Verstand ist, kann dazu beitragen. Diesmal aber mit klaren und ehrlichen Worten. Ohne Umschweife. Kirche sollte endlich zu der werden, für die sie sich immer wieder ausgibt. Zu einer abgespeckten und damit unabhängigen laizistischen Institution, die mit Mut Menschen in der Not beisteht und ihnen echte Hoffnung gibt. Vorbildlich nicht nur durch unmissverständliche Worte, sondern auch durch überzeugende Taten. Dann wäre der eklatante Mitgliederschwund der Schnee von gestern.
Fangen wir doch endlich selbst an, die Vernunft mit viel Mut in den Vordergrund zu stellen, um all die Widersprüche auszukehren, die uns das Leben nur schwer machen. Keiner – auch Theising selbst - müsste auf die christlichen Kirchen in Deutschland warten.
Werdet endlich Eure eigene Kirche!
(01) https://www.spektrum.de/news/weltformel-wie-lautet-die-theorie-die-alles-erklaert/2176329
(02) https://www.dbk.de/themen/kirche-staat-und-recht/konkordate-und-kirchenvertraege
(03) https://wissenschafts-thurm.de/uberangebot-an-kirchengebauden/
(04) https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_Theising
(05) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/katholische-kirche-synodaler-weg-104.html
(06) https://katholisch.de/artikel/67854-heiner-wilmer-neuer-bischof-muenster
(07) https://www.die-bibel.de/bibel/GNB/PSA.23
(08) MT, Gästebuch: Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising, Neuanfang wagen!, 04.04.2026.
(09) https://katholisch.de/artikel/31678-wie-bischoefe-in-deutschland-bezahlt-werden
(10) https://www.deutschlandfunk.de/die-kirche-als-unternehmen-wirtschaftsbetriebe-mit-100.html
(11) https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-06/millionaere-einkommen-deutschland-statistik-einkommen-reiche
(12) https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/tobias-hentze-kirchen-nehmen-immer-weniger-steuern-ein.html
(13) https://www.deutschlandfunkkultur.de/kirche-finanzierung-staatsleistungen-100.html
(14) https://www.kirchenfinanzen.de/kirchensteuer/steuerbefreiungen.html
(15) Reschke Fernsehen: Dein Reichtum komme: Der Konzern Kirche - hier anschauen
(16) https://www.youtube.com/watch?v=S9zPkWBUtJs
(17) https://www.infranken.de/deutschland/ausflug/koelner-dom-fuehrt-eintritt-ein-touristen-besichtigungsgebuehr-unterhaltskosten-unesco-weltkulturerbe-art-6326957
(18) https://www.bibleserver.com/de/verse/Matth¦us19%2C21
(19) MT, „Er war den Nazis eine Dorn im Auge“, 21.03.2026.
(20) https://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/politik/frag-doch-mal/was-tut-die-katholische-kirche-gegen-hitler
(21) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bischofskonferenz-krieg-frieden-100.html
(22) https://www.globale-gleichheit.de/positionspapier-der-evangelischen-kirche-gruenes-licht-fuer-kriegstuechtigkeit/
(23) https://rundblick-niedersachsen.de/religionsunterricht-ohne-jesus
(24) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/papst-ukraine-krieg-102.html
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